Erziehung - ein etwas anderer Blick

30.09.2020

Erziehung - Education - Educare

  Test......mitgehen - durch Dick und Dünn, wer geht voran....
Test......mitgehen - durch Dick und Dünn, wer geht voran....

Was hat Erziehung mit Sehen, Denken und Wahrnehmen gemein?

Educare - aufziehen, ernähren, grossziehen, hervorbringen, wachsen lassen, hinausführen, mitnehmen

Im Deutschen sagen wir Kinder erziehen oder benutzen das Substantiv - die Erziehung.

Im Lateinischen beinhaltet "Educare" mehreres, so wie im Titel aufgelistet - aufziehen, ernähren, grossziehen, hervorbringen, wachsen lassen, hinausführen, mitnehmen. (engl. Education)

Diese Worte beinhalten so einiges, eines ist aber immer gleich - alle Worte setzen eine Beziehung voraus. Eine Person begleitet die andere, auch das Wachsen, setzt voraus, dass Raum und Schutz da sind, in dem und unter dem das Kind wachsen kann.

Wir können kein Kind begleiten, wenn wir Bücher studieren oder am Schreibtisch uns Gedanken machen. Wir begleiten unsere Kinder auch nicht, wenn wir sie den ganzen Tag nicht sehen.

Dozieren? Verstehst du mich?
Dozieren? Verstehst du mich?

Wer etwas begleiten will, muss es sehen. Mit Denken kann ich nichts begleiten, ja in Gedanken vielleicht, aber oft entsprechen die Gedanken nicht der Realität. Was ich sehe, ist oft nicht identisch mit dem, was ich zu meinen sehe. Ich kann über etwas studieren, aber dabei völlig von der Wirklichkeit abweichen. Ich kann etwas reflektieren, sollte da jedoch nicht stehen bleiben, sondern wieder ins Leben einsteigen.

Das tönt ein wenig schräg. Nehmen wir an, wir versuchen eine Flasche zu malen. Wir wissen, dass die Flasche rund ist. Ich kann darüber studieren und versuchen, sie aus der Erinnerung zu malen. Dann gehe ich sehr logisch vor. Ich versuche die Flasche irgendwie rund zu malen. Meist finden wir auf dem Blatt Papier ganz stereotypische Formen bzw. Bilder. Das ist Wissen, gespeicherte und schubladisierte Symbole. Wenn ich aber diese Flasche wirklich genau ansehe und mit dem Finger nachmale, was sehe ich dann? Oder ich versuche einen Stuhl zu malen, dasselbe.

Dieses genaue Hinschauen und bei der Sache zu bleiben, im Moment zu bleiben, kann ich üben, z.B. mit Pferden, aber es gibt ganz sicher auch andere Methoden. Da das Pferd stärker und grösser ist, als wir können wir ganz gut unsere Fähigkeiten erproben und/oder schulen. Wir lernen vorausschauend zu sein und gleichzeitig ganz präsent. Es ist ein Übungsfeld, das sich auf andere Beziehungen übertragen lässt, eben z.B. auch die Erziehung der Kinder.

Beispiel mit Pferd:

Ich stelle einen Parcours mit Pylonen auf. Dadurch möchte ich das Pferd führen. Damit mir das Pferd nun folgt, muss ich wissen, wo ich durch will. Da das Pferd gross und kräftig ist und auch mitdenkt, muss ich mir das ein wenig im woraus überlegen. Denn während des Durchgangs darf ich den Kontakt zum Pferd nicht verlieren, ansonsten übernimmt das Pferd entweder die Führung, d.h. es zieht mich weg oder es würde mich verlassen, wenn es nicht am Strick wäre.

Das heisst im optimalen Fall, weiss ich wo ich durch will, bleibe aber beim Führen ganz beim Pferd und überprüfe nur ganz kurz meine Richtung. Wenn ich zulange überlegen würde, hätte ich bereits den Kontakt zum Pferd verloren.

Es kann dann noch viel komplexer werden, denn letztendlich spielt auch meine Ausstrahlung, meine Haltung, mein Blick etc. eine Rolle. So wäre dann der nächste Schritt, die Eigenwahrnehmung zu schulen.

Beispiel mit dem Pferd:

Ich kann ein Pferd durch meine Haltung (Körperhaltung) ausbremsen, stoppen, ziehen lassen oder mitnehmen. Das funktioniert aber nur, wenn ich weiss, wie ich mich im Raum verhalte oder was mein Körper spricht. Die non-verbale Sprache ist oft viel deutlicher und deckt sich oft auch nicht mit den Worten, weil wir ja gelernt haben, nett und freundlich zu sein, auch wenn unser Inneres, was ganz anderes empfindet. Pferde sind da sehr ehrlich und spiegeln somit unser Inneres. Und Kinder spüren das natürlich auch noch viel mehr als Erwachsene. Darum ist in der Erziehung das Authentisch-Sein sehr wichtig.

Wir haben ja oft ganz fixe Vorstellungen von Familienleben, von unseren Kindern, von unseren Partnern, Menschen, die uns umgeben. Wir wissen, was wir wollen, und wir haben Pläne für uns und unsere Kinder. Das mag manchmal gut sein, doch kann es auch zu einer ganz starke Begrenzung führen und das Leben ersticken. Der Raum wird eng. Das Leben wird eng. Vielleicht erfolgreich, aber freudlos.

Wir lösen wir uns von diesen fixen Gedankenvorstellungen. Wie werden wir frei. Ich muss es erkennen, ich muss es wollen.

Wir immer am Schluss eines solchen Textes, für mich führt letztendlich nur Jesus in diese Freiheit. Wenn ich Tag für Tag zu IHM bete, führt ER mich den guten Weg. Die Pferde sind für mich ein Geschenk Gottes - Gottes Geschöpfe und können helfen aufzuzeigen. Es ist bei manchen Konstellationen einfacher mit Pferden zu üben, als mit Menschen.

Jesus hat voll und ganz gelebt. Er wusste um seinen Auftrag, war ganz Gottes Sohn und mit Gott verbunden, aber auch immer ganz gegenwärtig und anwesend, wenn er mit Menschen zu tun hatte. Er war nicht abgehoben in Gedanken, sondern ganz präsent bis zum Tod, in Freud und im Leid.

Wir können beten, Gott Vater im Namen Jesus bitten, uns zu helfen. ER hilft uns ganz bestimmt, wenn wir erkennen und bekennen, dass wir ohne Ihn irr gehen. Wir verlieren die Sicht, ganz oft auch durch das viele Denken. Wir verlieren den Bezug, weil wir nicht leben, sondern denken. Wir verlieren die Liebe, weil wir nicht mehr auf IHN schauen (sehen).