Pferdeausbildung - Geduld und Ruhe

28.11.2018

Viele Pferdeleute schreiben über die Ausbildung von Pferden. Wir möchten hier nur ganz kurz ein paar für uns relevante Aspekte nennen.

Pferde haben eine sehr sensible Wahrnehmung. Alle Sinne sind sehr fein. Sie können Schalquellen sehr gut orten und haben praktisch eine Rundumsicht, dafür ist diese Sicht nicht ganz so scharf wie beim Menschen. Sie sehen besser in der Dämmerung als wir Menschen.

Was den Pferden im Gegensatz um Menschen fehlt, laut wissenschaftlichen Studien, ist die Vorstellungskraft, d.h. einen Plan aufzustellen und etwas zu tun.

Pferden lernen von ihren Herdengenossen - sie beobachten und kopieren. Sie können auch Menschen beobachten und kopieren.

Ein Pferd lernt durch Prägung und Sozialisierung in der Herde, Gewöhnung und Sensibilisierung, durch Desensibilisierung und Fluten, klassische Konditionierung und operante Konditionierung. Eine ganze Menge können Pferde lernen und sie lernen immer, auch im Zusammensein mit dem Menschen. Wir sind es uns leider oft nicht so bewusst.

Wenn wir also Pferde ausbilden, müssen wir wissen, wie sie lernen, und was wir ihnen beibringen wollen. Wir müssen klar sein und uns vertrauenswürdig erweisen. Wir müssen uns auch bewusst sein, warum wir etwas von einem Pferd verlangen, ob es dazu fähig ist, oder was für Bedingungen erfüllt sein müssen, damit es lernen kann. Bei uns Menschen ist das sehr ähnlich.

Gewisse Dinge die Pferde für das Zusammenleben mit dem Menschen lernen müssen, entsprechen ihrem natürlichen Verhalten, andere widersprechen dem völlig, wahrscheinlich die Mehrheit. Sie lernen z.B.  irgendwo angebunden zu werden, was ihrem Naturel völlig widerspricht. Wir sind dafür verantwortlich, dass es auf eine gute Art und Weise lernt, dies zu akzeptieren.

Lernen ist nur in einer stressfreien, vertrauensvollen Atmosphäre möglich. Das möchten wir anstreben, um Untugenden oder Fehlverhalten zu vermeiden, denn diese wieder loszuwerden dauert oft sehr viel länger, als das sie entstanden sind. Oft entstehen in Stresssituationen sogenannte Untugenden. Auch ein Pferd, das Schmerzen hat ist widersetzlich. Also denken wir immer zuerst an die ganze Situation, das Machbare und das Mögliche bevor wir ein Pferd bestrafen. Wir halten nicht viel von Strafe und sie kommt bei uns ganz ganz selten vor.

So ist von Seiten des Menschen, eine grosse Achtsamkeit und auch Wissen gepaart mit Gefühl gefordert, sollte er Pferde ausbilden wollen.

Die Ausbildung eines Pferdes ist ein Weg des ständig wachsenden Vertrauens und des immer bessern Verstehens. Oft gilt es auch einen eingeschlagenen Weg zu ändern, denn das Pferd bestimmt durch seine Lernschritte den Zeitrahmen und Ausbildungsgang. Es ist wie bei uns und unseren Kinder, wir können erst weiter, wenn wir etwas begriffen haben. Denken wir nur an die Mathematik oder das Lesen.

Unsere Pferde lernen Bodenarbeit und werden zu zuverlässigen Reitpferden ausgebildet. Es ist aufbauendes Lernen, von einfach zu komplex, und ganz wichtig - immer nur eine Aufforderung oder Anfrage auf einmal, d.h. z.B. beim Reiten erst das Bein, dann die Hand, d.h. so viel wie: zuerst vorwärts, dann die Richtung weisen. Das verlangt auch von uns eine ziemlich grosse Körperbeherrschung.

Es gibt in der Pferdewelt viele Trainer, bekannte und unbekannte. Einzelne verkaufen ihre Konzepte, doch im Grunde arbeiten alle mehr oder weniger mit den gleichen Lernprinzipien, wie oben aufgezählt, kurz zusammengefasst mit operanter Konditionierung mit positiver oder negativer Bestärkung. Bei der positiven Verstärkung erhält das Pferd eine Belohnung, wenn es auf die Anfrage richtig reagiert hat (Klicker Training, viele Filme auf youtube), bei der negativen Bestärkung nehmen wir z.B. den Druck weg, den wir zuvor aufgebaut haben (Leitseilarbeit), was wir als eine negative Belohnung bezeichnen.

Beides hat seine Berechtigung, wenn es richtig und fein angewandt wird. Was wir nicht wollen, sind Pferde, die nicht mehr mitdenken, d.h. abgerichtet werden.